Österreich: Lasst die Uni-Professoren länger arbeiten!


 

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„Die Pensionsdebatte ist heiß; fast täglich lesen wir, dass das effektive Pensionsalter angehoben werden muss. Bemerkenswert: Universitätsprofessoren konnten früher bis zu ihrem 70. Lebensjahr arbeiten, heute müssen sie mit 65 Jahren in Pension gehen (manche, je nach Dienstantritt, mit 68 Jahren).

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Ließe man die Uni-Professoren – wie es viele wünschen – länger arbeiten, gäbe es mehrere Gewinner: Der Staat würde sich erhebliche Pensionsleistungen ersparen und könnte die eingesparten Beträge über das Budget an die Unis zurückführen. Die Unis könnten mit den zusätzlichen Geldern mehr wissenschaftliches Personal, vor allem Assistenten, beschäftigen, das Betreuungsverhältnis der Studenten zum Lehrpersonal könnte sich zahlenmäßig, vor allem aber qualitativ verbessern, mehr Uni-Jobs für die Absolventen würden die Chancen für junge Talente erhöhen.

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Bleibt die Frage, ob unsere Unis nicht „vergreisen“ , wenn wir die Professoren um fünf Jahre länger arbeiten lassen. – Die Gegenfrage wäre: Wenn Verfassungsrichter heute – wie seit mehr als 100 Jahren – bis 70 arbeiten und niemand behauptet, dass ihre Arbeit unter ihrem Alter leidet, dann wird das wohl auch für Professoren gelten. Und wenn ursprünglich – bis vor etwa 20, 30 Jahren – auch Professoren erst mit 70 emeritierten, war das wohl kaum zum Nachteil der Wissenschaft. Zudem ist ein heutiger Uni-Professor mit 65 Jahren in der Regel noch viel leistungsfähiger als ein 70-jähriger vor 30 Jahren. Das sollte – auch im Interesse der Universitäten – genutzt werden. Schlussendlich wäre ein derartiger Schritt auch wichtiges sozialpolitisches Signal: Ein höheres Pensionsalter ist nicht nur möglich, sondern wäre für viele auch erstrebenswert. – Nicht jeder „leidet“ unter seiner Arbeit, vielen macht sie Freude.“

Quelle: http://derstandard.at, 09. Juli 2010