Sportgerontologie am Berufskolleg


 

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Logo-Sportgerontogie-orgkleinDer demographische Wandel bedeutet, dass künftig immer weniger junge Menschen sowohl finanziell als auch pflegerisch für eine immer stärker wachsende Gruppe älterer Menschen einstehen müssen.
Grundsätzlich bedeutet jeder Monat, den ein Mensch später Pflege in Anspruch nehmen muss, zum einen individuelle Lebensqualität, zum anderen aber auch eine Entlastung der Gesellschaft auf vielfältige Weise – Sport kann dabei entscheidend helfen.

Daraus entwickelte sich die Idee, Sportgerontologie am Berufskolleg zu implementieren. Inhaltlich geht es dabei nicht nur darum, die Schülerinnen und Schüler für das Thema zu sensibilisieren, sondern auch darum, dass sie entsprechende Qualifikationen wie den „Übungsleiter C – Schein“, die „Grundlagen der Aquafitness“ und die Ausbildung zum „Übungsleiter C Breitensport Schwimmen Profil Erwachsene / Ältere“ absolvieren. Die teilweise neu kreierten Qualifikationen sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, aktiv mit älteren Menschen zusammenzuarbeiten, um so zur Gesundheit und Mobilität älterer Menschen beitragen zu können.

Die Vorbereitungen für das Projekt, Sportgerontologie am Berufskolleg zu unterrichten, starteten 2008. Seit 2010 wurde daraus eine Promotion am Lehrstuhl für Schulsport und Schulentwicklung der Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Buhren. Mit dem Schuljahr 2011/12 startete eine Pretestgruppe mit 22 Schülerinnen und Schülern im Bereich der „Zweijährigen Höheren Berufsfachschule“ am Berufskolleg Bergkloster Bestwig mit der Umsetzung sportgerontologischer Grundlagen. Daraus entwickelte sich ein modulares System, welches die Umsetzung in allen Bildungsbereichen des Berufskollegs strukturiert ermöglicht. Im laufenden Schuljahr werden an 19 Berufskollegs in NRW rund 900 Schülerinnen und Schüler im Bereich Sportgerontologie unterrichtet. Dabei kommen 11, dem jeweiligen Bildungsgang entsprechende Curricula, zum Tragen.

Sportgerontologie am Berufskolleg zu implementieren wird mittelbar als Prävention verstanden und setzt letztlich eine Forderung der 14ten Landesgesundheitskonferenz aus dem Jahr 2005 um. „Angesichts demografischer und soziostruktureller Veränderungen und der Fortschritte in der Medizin ist auch ein verstärktes Engagement für die Zielgruppe der älteren und alten Menschen notwendig. Auch sie ziehen einen besonderen Nutzen aus der Prävention.“ (Entschließung der 14. Landesgesundheitskonferenz „Präventionskonzept Nordrhein-Westfalen – eine Investition in Lebensqualität“, 2005, S. 7).

Die bisherige Resonanz zur Umsetzung sportgerontologischer Grundlagen ist ausgesprochen positiv. Schülerinnen und Schüler nehmen das Projekt ebenso positiv auf wie deren Eltern und die entsprechenden Schulen mit ihren Lehrkräften. Perspektivische Ziele sind ein Schulversuch und ggf. der Aufbau eines neuen Berufes z.B. dem des/der sportgerontologischen Assistenten/in.

Weitere Informationen und eine Kontaktadresse sind unter www.sportgerontologie.org zu finden.

Herbert Schulte

Autor:
Herbert Schulte hat in Dortmund Sport und in Bochum Pädagogik studiert und arbeitet seit ca. 10 Jahren als Lehrer am Berufskolleg Bergkloster Bestwig (Sauerland). Seit 2008 Jahren verfolgt er das Thema der Sportgerontologie am Berufskolleg und promoviert seit 2010 nebenberuflich zu diesem Thema am Lehrstuhl für Schulentwicklung der Sporthochschule Köln bei Prof. Dr. Buhren.