Das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena baut seine Expertise weiter aus


 

am von .

Für die im Alter vermehrt auftretenden Krankheiten stehen derzeit kaum medizinische Ansätze zur Prävention und Therapie zur Verfügung; molekulare Ursachen sind nur unzureichend verstanden. Das Leibniz-Institut für Altersforschung (FLI) in Jena, das die Mechanismen des Alterns und alters-assoziierter Krankheiten untersucht, möchte zur Senkung des Erkrankungs- und Krebsrisikos im Alter beitragen. Professor Rudolph, neuer wissenschaftlicher Direktor am FLI, ergänzt mit seiner Forschung zur Zellalterung den bestehenden Fokus. Zum Ausbau der Schwerpunkte Stammzellalterung, Genomintegrität und Systembiologie soll mit neuen Junior- und Seniorgruppen weitere Expertise nach Jena geholt werden.
Medizinische Fortschritte in der Behandlung und Prävention von Krankheiten haben in den vergangenen Jahren wesentlich zur Steigerung der Lebenserwartung beigetragen, so dass heute geborene Babys etwa 100 Jahre alt werden können. Die Kehrseite dieser an sich erfreulichen Entwicklung ist, dass immer mehr Menschen an den biologischen Folgen der Alterung und alters-assoziierten Erkrankungen leiden. Auch das Krebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter drastisch an. Zur Vorbeugung und Therapie für die im Alter vermehrt auftretenden Krankheiten stehen derzeit jedoch kaum medizinische Ansätze zur Verfügung, da die zugrunde liegenden molekularen Ursachen bisher nur unzureichend verstanden sind. Die Analyse dieser Prozesse ist daher eine der Hauptaufgaben der biomedizinischen Altersforschung.

Das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena, das als erstes nationales Forschungsinstitut in Deutschland seit 2004 die Mechanismen des Alterns und alters-assoziierter Krankheiten erforscht, möchte zur Entwicklung neuer Therapien und zur Senkung des Erkrankungs- und Krebsrisikos im Rahmen der Alterung beitragen. Im Mittelpunkt steht dabei die Erforschung der molekularen Alterungsmechanismen, die zum einen zum Nachlassen der Regenerationsfähigkeit und des Selbsterhalts von Organen und Geweben führen und zum anderen die Entstehung von Krebs hervorrufen. Beides Prozesse, die eng mit der Alterung von Stammzellen (Zellen, die sich zu unterschiedlichen Zelltypen spezialisieren können) verknüpft sind.

Die sogenannten „adulten Stammzellen“ sind in fast allen Geweben des erwachsenen Menschen nachweisbar und tragen zeitlebens zum Erhalt und zur Regeneration von Organen und Geweben bei. Ihre Funktion nimmt jedoch mit dem Alterungsprozess ab. Gelänge es, die molekularen Ursachen der Stammzellalterung zu verstehen, könnten daraus molekulare Therapien abgeleitet werden, die den Organerhalt verbessern und auch das Krebsrisiko im Alter senken. Mit der Ernennung von Professor Karl Lenhard Rudolph – einem Spezialist auf dem Gebiet der Stammzellforschung – zum neuen wissenschaftlichen Direktor des FLI wird die bereits bestehende Expertise des Institutes um diese wichtige Facette der Altersforschung ergänzt.

Jüngste Ergebnisse der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung in Ulm unter Leitung von Prof. Rudolph führten zur Identifizierung eines Mechanismus, der zum Verlust von Stammzellen des Immunsystems im Rahmen der Alterung führt und sind aktuell als Cover-Artikel in der renommierten Fachzeitschrift CELL veröffentlicht. Ein Indiz für die Bedeutung der Stammzellforschung. „Dieser neu identifizierte Mechanismus könnte nicht nur für die begrenzten Immunfunktionen im Alter von Bedeutung sein“, erläutert Prof. Rudolph, sondern mutmaßt sogleich, „dass es sogar denkbar ist, dass dieser Mechanismus offenbar primär zum Schutz vor Krebsentstehung entstanden ist“. Mit der Auslöschung geschädigter Stammzellen könnte demzufolge der Krebsentstehung im jungen Erwachsenenalter vorgebeugt werden, da krankhafte (mutierte) Stammzellen aussortiert werden.

Prof. Rudolph plant, diese Arbeiten zur Begrenzung von Stammzellfunktionen im Rahmen der Alterung weiter zu vertiefen und hat hierzu die Berufung zum Institutsdirektor des Leibniz-Institutes für Altersforschung in Jena angenommen. In Absprache mit der Universität Ulm wird der einvernehmliche Wechsel an das Jenaer Forschungsinstitut voraussichtlich im Laufe dieses Jahres vollzogen. Mit der Schaffung neuer Junior- und Seniorgruppen soll bereits jetzt mit dem Ausbau der Schwerpunkte Stammzellalterung, Genomintegrität und Systembiologie begonnen werden. Dazu sind derzeit Stellenausschreibungen in der ZEIT und den renommierten Fachzeitschriften NATURE, CELL und CELL STEM CELL geschaltet, um Spitzenforscher und weitere Expertise nach Jena ans Fritz-Lipmann-Institut zu holen. Der Bewerbungsschluss ist der 30. April 2012.

Kontakt:
Dr. Kerstin Wagner
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI)
Beutenbergstr. 11, 07745 Jena
Tel.: 03641-656378, Fax: 03641-656335, E-Mail: presse@fli-leibniz.de

Originalpublikation:
Wang J, Sun Q, Morita Y, Jiang H, Groß A, Lechel A, Hildner K, Guachalla LM, Gompf A, Hartmann D, Schambach A, Wuestefeld T, Dauch D, Schrezenmeier H, Hofmann W-K, Nakauchi H, Ju Z, Kestler HA, Zender L, Rudolph KL. A differentiation checkpoint limits hematopoietic stem cell self-renewal in response to DNA damage p1001. Cell (2012), 148(5), 1001-1014. DOI 10.1016/j.cell.2012.01.040

Stellenausschreibung des FLI:
http://www.fli-leibniz.de/careers/positions_en.php?&doc=188

Hintergrundinfo
Das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena ist das erste deutsche Forschungsinstitut, das sich seit 2004 der biomedizinischen Altersforschung widmet. Über 330 Mitarbeiter aus 25 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alterungsprozessen und altersbedingten Krankheiten. Näheres unter http://www.fli-leibniz.de.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Quelle: http://idw-online.de/pages/en/news466612, 06.03.2012